17 mal 'Ja' und 9 mal 'Nein'

 

Was könnte eine Logengemeinschaft (kurz: Loge) für denkende Menschen unserer Gegenwart interessant machen, um sie zu einem Beitritt zu bestimmen?

 

1.- Logen passen sich selten dem postmodernen Zeitgeist an

d.h.: Logen sehen ihre Chance eher darin, „quer zum Zeitgeist" zu liegen. Das meint nicht, dass sie rückwärts-gerichtet (reaktionär) wären; eher könnte man sie als konservativ und deshalb fortschrittlich verstehen i.S. von „das zu bewahren, was sich bewährt hat“.

 

2.- Logen sind offen für Veränderungen, weil sie das Leben der Menschen begleiten wollen. Das aber heißt lernen, um Vorurteile zu vermeiden bzw. abzubauen (Wer rastet, der rostet)

d.h.: Die Logen bejahen und leben in ihrer jeweiligen Gegenwart, die sie als Brücke von Vergangenheit zur Zukunft sehen. Da Leben nie ein Ist-Zustand sein kann, begleiten sie mitgestaltend Veränderungen

 

3.- Logen bejahen die Betonung des Individuums. Nicht alle Menschen sind gleich, und die Zahl derer, die sich den nivellierenden kollektiven Trends und Tendenzen zumindest partiell entgegenstellen, ist groß; sie finden in den Logen Gleichgesinnte und eine geistige Heimat

d.h. Die Freimaurer sprechen vom Tempelbau der Humanität und betonen, dass dazu nicht egale, gleichförmige, uniforme Steine notwendig sind, sondern ungleiche, unegale, in Form und Struktur verschiedene. Zweifellos macht das das Zusammenfügen schwieriger aber auch reizvoller.

 

4.- Logen geben den Rahmen ab für Menschen, die Freundschaft suchen

d.h. Die enge Lebensgemeinschaft, die Freimaurer bilden, läßt Freundschaften in vertiefteren Formen als üblich zu, was allerdings auch ein Risiko sein kann.

 

5.- Logen binden Menschen ein und geben ihnen Orientierung

d.h. Gleichschaltung, Indoktrination oder Missionierung finden in einer Loge nicht statt. Aus der Vielfalt begründeter Meinungen kann jeder Bruder seine Position abklären.

 

6.- Logen sind offen für Menschen, die sich für ethische Werte als Lebensbasis interessieren

d.h. Statussymbole sind In einer globalisierten Wirtschaft ausnahmslos materielle Güter. Mit rücksichtslosen Methoden durch Geld nach Macht zu streben, bringt die Gesellschaft an den Rand ihrer Existenz. Die Logen sind bemüht, mit Orientierung an ethischen Werten entgegenzuhalten.

 

7.- Logen stehen für Aufklärung und intelligenten Diskurs, um die eigene Meinung abzuklären

d.h. Obgleich die Freimaurerei keine Wissenschaft ist, bemühen die Brüder zur Wahrheitsfindung in der Disputation, bewährte wissenschaftliche Kategorien und Methoden.

 

8. Logen sind Foren für Menschen, die ihre persönliche Verantwortung überdenken möchten

d.h. Es geht um mehr, als nur ’nicht wegschauen, weil mich das doch etwas angeht’. Es wird den Mitgliedern einer Loge zugemutet, in der Gemeinschaft zu ermitteln, welche Sozialbezüge der einzelne in seinem gegenwärtigen Lebensstatus wie auszufüllen hätte.

 

9.- Logen vermitteln Erfahrungen für Menschen, die aufgeschlossen sind für symbolische und rituelle Dinge

d.h. spätestens seit Freud, erst recht aber aus den Erfahrungen im Umgang mit totalitären Systemen, weiß man, dass die intellektuelle Bildung die Affekte (Emotionen) weder stabilisiert noch verläßlich kultiviert. Deshalb haben die Logen nach dem 2. Weltkrieg ihre Rituale überarbeitet, um erweiterte Erfahrungen mit sich selbst bewusst zu suchen.

 

10.- Logen ermöglichen Menschen Erfahrungen an geselliger Kultur und Lebenskunst durch praktische Teilnahme

d.h. Freimaurer sind keine verkopften, sich säuerlich gebenden Asketen, die griesgrämig durch’s Leben gehen. Dagegen sprechen schon allein Begriffe wie Gesellenmahl, Tafelloge, Schwesterndank usw. Freilich sind sie der Meinung, dass es weder den Genuss stört noch Verdächtig macht, wenn sie darüber nachdenken, wie es mit der Bewahrung der Natur steht.

 

11.- Logen bringen sich ein in feststellbare gesellschaftliche Tendenzen hin zu neuen „Wert-synthesen" (Helmut Klages)

d.h. wenn der Globalismus regionale Wertesysteme in Frage stellt, dann ist es angezeigt, aus den möglichen Rudimenten weltweit Neues und allgemein Verbindliches zu kreieren.

 

12.- Es gibt Anzeichen dafür, dass sich Logen an der Suche nach und der Etablierung von einer „neuen Bürgerlichkeit" beteiligen

d.h. regional akzeptierte religiöse Klammern, die dem zivilen Staat zu Grunde lagen, haben ihre Verbindlichkeit für eine pluralistische Gesellschaft weitgehend verloren. Das verlangt nach einer Rückbesinnung auf Naturrecht und Aufklärung, um zu einer neuen Form von Bürgerlichkeit zu finden.

 

13.- Logen diskutieren Fragen nach einer neuen Gerechtigkeit angesichts einer sich immer mehr ausbreitenden Heuschreckenmentalität.

d.h. wenn sich der Wert eines Menschen immer stärker von seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit her definiert und diese von denen festgelegt wird, die das „Kapital“ verwalten, dann muss sich die Frage stellen, wie durch rechtzeitiges Umsteuern eine Katastrophe vermieden wird.

 

14.- Logen fragen nach der zukünftigen Ausgestaltung unserer sozialen Marktwirtschaft

d.h. national gesehen interessieren sich die Menschen in der Bundesrepublik an Lösungen, die die positiven, den sozialen Frieden bedingenden Erfahrungen, seit 1948 in die Zukunft eines werdenden Europa fortschreiben.

 

15.- Logen stehen auf den Barrikaden, wenn Schule, Berufe und Studium europa- oder weltweit durch Politik und Wirtschaft nivelliert werden sollen

d.h. unter dem Druck, dass Europa zügig werden soll, besteht die Gefahr, dass sich Anpassungen vor allem im Bildungswesen auf unterstem Niveau ergeben. So sehen z.B. die Bologna-Beschlüsse vor, dass auch die Deutschen Universitäten das US-amerikanische System übernehmen. Bachelor- und Master-Abschlüsse könnten das Anforderungsprofil (reine Fachausbildung) bis zur Unkenntlichkeit absenken. Nicht von ungefähr sind Schüler und Studenten auf die Straße gegangen. Widerstand durch Aufklärung der Öffentlichkeit scheint angezeigt, denn Deutschland lebt von der geförderten Intelligenz seiner Menschen.

 

16.- Logen wollen bewährte traditionelle Werte erhalten: sie lehnen sich auf gegen einen schleichenden Relativismus.

d.h. wenn Benehmen in einer pluralistischen liberalen Gesellschaft in den Bereich subjektiver Entscheidung verwiesen wird, jeder also persönlich festlegen kann, wie er sich zu seinem Umfeld verhalten möchte, dann bedingt dies mehr Gesetze, mehr Polizei und mehr Gefängnisse. Also ist zu überlegen, was sich bislang bewährt hat und was davon als (standardisierter Mini-Konsens) verbindliche Umgangsformen erhalten werden soll.

 

17. Es gibt – so nehmen Freimaurer an – eine Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Kontemplation, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, nach Entschleunigung.

d.h. Abläufe in nachgerade allen Lebensbereichen haben sich in den letzten 50 Jahren galoppierend beschleunigt. Damit einher ging die Gier, an so vielen Events teilzunehmen wie möglich. Das Zauberwort hieß „Gleichzeitigkeit“! ’Hedonismus’ (Anspruch auf Glück) war das Motto. Leider hat die Beglückung der Massen weder zur Verminderung von Frustrationen noch Aggressionen geführt. „Metanoiete“ ! – Kehrt um! – empfahl Johannes der Täufer, Schutzpatron der Freimaurer, als er von seiner Meditation in der Wüste ins zivile Leben zurückgekehrt war.

 

 

 

Neun Argumente, einer Loge nicht beizutreten, falls Sie suchen, was Logen nicht sind und was sie Ihnen nicht bieten können.

Logen sind...

 

  • kein Religionsersatz, deshalb auch keine Sekten
  • keine Geheimgesellschaften, die Geheimwissen vermitteln
  • keine Karrierebasis
  • keine Clubs von Reichen und Nur-Akademikern
  • keine Zirkel von Besserwissern
  • keine internationale Vereinigungen vaterlandsloser Gesellen
  • keine politischen Stammtische von Träumern und Schwärmern
  • keine Versammlung von bindungslosen (nihilistischen) „Freigeistern“
  • keine Kaderschmieden für antidemokratische Staatseliten

 

 

Alle verwendeten Begriffe sind u.a. Strukturelemente heutiger Freimaurerei. Und deshalb sind Logen für viele denkende Menschen so interessant. Dennoch wollen wir nochmals betonen, dass Logen nicht als Institutionen handeln, sondern nur durch das Engagement ihrer Mitglieder wirken. Die Summe der Einzelnen bestimmt das Ganze!